Wie ich an anderer Stelle habe ich schon geschrieben habe, befasse ich mich gerade aufgrund der Aufnahme in zwei neue Gruppen mal wieder etwas mehr mit Gruppendynamik. Immer, wenn nun ein Thema hochkommt, nutze ich das, um Artikel auf der Basis dessen zu schreiben.
Heute geht es um Abstimmungen, die die Entscheidungsfindung in einer Gruppe, bei der alle gleichberechtigt sind, deutlich beschleunigen. Irritierenderweise habe ich insbesondere in virtuellen Gruppen in letzter Zeit viel negative Rückmeldungen zu Abstimmungen bekommen.

Abstimmung? Warum?
Es liegt in der Natur einer Gruppe, und das ist auch ein Vorteil an der Gruppe, dass es verschiedenen Meinungen und Kompetenzen gibt. Bei vielen Themen macht es daher Sinn, sich auszutauschen, um eine für die Gruppe richtige Entscheidung zu treffen. Wenn alle wichtigen Argumente ausgetauscht sind, ist es aber einfacher, zu einer Abstimmung zu schreiten. Wer öfter mit mir in einer Gruppe unterwegs ist, kennt das: wenn z.B. diskutiert wird, in welches Restaurant man geht, wenn man bereits die letzte Location verlassen hat, kommt bei anhaltender Diskussion irgendwann der Zeitpunkt, in dem Tobias folgendes sagt: „Lasst uns doch einfach schnell abstimmen. Wer ist für…“. Auch wenn das mechanisch wirkt, vereinfacht es die Entscheidungsfindung:
- man muss sich klar positionieren und kann sich nicht mehr alle Optionen offen halten
- das Ergebnis ist optisch einfach erkennbar, ohne Aussagen zu analysieren
- jede:r wird in gleichem Maße berücksichtigt, egal ob er oder sie ein:e begabte:r extrovertierete:r Redner:in oder ein:e introvertierte:r Nerd:in ist
Abstimmung: idealerweise „MECE“!
Abstimmungen sollten MECE sein (Beratersprech), d.h. Mutually Exclusive and Collectively Exhaustive, das heißt, dass die Optionen
- sich gegenseitig ausschließen (mutually exclusive)
- alle Optionen abbilden (collectively exhaustive)
Wichtig ist dabei, dass man die Enthaltung nicht vergessen sollte – denn auch das ist eine valide Option für Menschen, denen die Sache schlicht egal ist, oder die dem Urteil der Mehrheit vertrauen. Ich bin z.B. in vielen Fällen sehr anpassungsfähig – wenn wir beim Beispiel mit der Restaurantwahl bleiben, würde ich mich enthalten – ich esse alles, was mehrheitsfähig ist.
Abstimmungen gehen schnell und beenden Diskussionen
Der Vorteil an einer Abstimmung ist, dass sie sehr schnell geht. In der physikalischen Gruppe, wo alle beieinander sind, sind das wenige Sekunden. In einer virtuellen Gruppe, z.B. im Whatsapp Chat, kann es dagegen dauern, weil man damit auch asynchron kommuniziert, die Menschen die Nachrichten also über die Zeit verteilt lesen und verzögert abstimmen.
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