Leider bin ich einer der Menschen, die anfällig dafür sind, von ihrem Smartphone stark angezogen zu werden. Gelegentlich leide ich an Smartphone-Sucht. Diese ist nachgewiesenermaßen seit ein paar Jahren ein ernstzunehmendes Problem für die Produktivität, wie auch für die allgemeine psychische Gesundheit, wie dieser fundierte wissenschaftliche Übersichtsartikel aus dem Jahr 2018 aufzeigt. Graustufen können die magische Anziehungskraft des Smartphones deutlich reduzieren – doch dazu mehr weiter unten.
Update am 05.05.26: Lesbarkeit verbessert.
Ich verstehe einige der Gründe, warum ich, wie auch viele andere, sehr vom Smartphone angezogen werde:
- Man kann schnell Informationen zu fast allem finden, z.B. per Google oder per Wikipedia
- Man kann mit jedem Menschen weltweit schnell kommunizieren, ob via E-Mail (asynchron) oder Chat (synchron). Mehr zu diesen verschiedenen Kommunikationsformen.
- Es gibt so viele schöne Apps für alle erdenkbaren Szenarien.
Ein weiterer Grund, den ich bis Anfang dieser Woche nicht verstanden hatte, war, dass Farben eine große Rolle dabei spielen, wie stark uns unser Smartphone anzieht. Zudem sorgen die Farben dafür, dass wir schlecht wieder vom Smartphone loskommen. Sie verstärken die Smartphone-Sucht, ohne, dass wir es merken. Gleichzeitig können wir Farben jedoch auch dafür nutzen, um die Smartphone-Sucht zu bekämpfen.
Verursachen Farben die Smartphone-Sucht mit?

Farben sind eine tolle Sache – lediglich die Nutzung der Farben durch die Hersteller der Smartphone-Betriebssysteme (also im Wesentlichen Google und Apple) und natürlich durch die Ersteller der Apps ist nicht gut für uns. Natürlich machen die das sicher nicht immer absichtlich, zumindest nicht alle.
Facebook oder LinkedIn zum Beispiel verdienen ihr Geld mit Werbeanzeigen. Verbringt der Nutzer mehr Zeit in der App oder auf der Desktop-Seite, sieht er sich auch mehr Anzeigen an. Sieht er mehr Anzeigen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er auf eine Anzeige klickt. Da ist Smartphone-Sucht und die damit verbundene höhere Verweildauer dann doch für die Plattformanbieter eine feine Sache, um den Umsatz in die Höhe zu treiben.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Farben auf dem Smartphone werden teilweise absichtlich, teilweise unabsichtlich so eingesetzt, dass wir möglichst viel Zeit auf dem Smartphone verbringen. Einige der Verursacher machen das, um ordentlich Geld zu verdienen. Viele – so vermute ich es auch bei Apple und Google – waren sich der Auswirkungen auf die Gesellschaft sicherlich nicht zu jeder Zeit vollständig bewusst. Das zeigt unter anderem, dass beide Hersteller das Umstellen auf Graustufen inzwischen einfacher machen – in Android z.B. durch die sogenannte „Digital Wellbeing“ App von Google. Bei Apple kann man die Aktivierung von Graustufen auf die Schnell-Taste legen (mehr s.u.).
Gegen Smartphone-Sucht: Auf Graustufen umstellen

Alle Manipulationsversuche, die uns dazu bewegen, mehr Zeit mit dem Smartphone und weniger mit uns oder anderen Menschen zu verbringen, lassen sich ganz einfach abschalten: indem wir den Smartphone-Bildschirm so umstellen, dass er nur Graustufen anzeigt. Die gute Nachricht: Das geht bei allen Herstellern, wenn auch nicht immer auf direktem Weg.
Anleitungen hierzu folgen am Ende dieses Artikels, sind aber auch über die Suche nach „Graustufen“ auf dieser Seite leicht zu finden.
Graustufen reduzieren den Drang, das Smartphone zu prüfen!
Nach einer Woche „auf Graustufen“ im Selbstversuch musste ich klar sagen: Ja! Ohne die bunten Farben wird das Smartphone wieder zu dem, was es eigentlich sein sollte: ein Werkzeug, mit dem wir schnell Informationen gewinnen können, schnell synchron und asynchron kommunizieren und arbeiten können. Die Smartphone-Sucht ist deutlich reduziert.
Die größte Bestätigung, dass es wohl funktioniert, habe ich gestern erfahren: Als ich das Display wieder auf Farbe geschaltet habe. Meine erste Reaktion war: „Oh, ist das schön bunt!“. Das zeigt, dass die Farben vermutlich unterbewusst eine ähnliche Begeisterung bei jedem Blick auf das Smartphone verursachen. Das wirkt sich dann auf unser Belohnungszentrum aus und schwupps: Suchtverhalten! Lesson learned.
Wie bekämpfe ich das Suchtverhalten?
Durch das Umschalten auf Graustufen lässt sich also eine deutliche Reduktion dieses Effekts erreichen. Zudem werden dadurch die verlockenden, Belohnung versprechenden Markierungen auf der Oberfläche von Apps wie z.B. die roten Benachrichtigungspunkte bei Facebook deutlich weniger „gefährlich“ für unsere Aufmerksamkeit.
Hier die Anleitungen, wie man Graustufen schnell aktivieren kann:
- iOS bzw. Apple Mobilgeräte: Anleitung für Farbumschaltung
- Android Mobilgeräte: Anleitung für Farbumschaltung
Disclaimer: Ich bin leider nicht selbst auf diesen Trick gekommen. Er geht insbesondere zurück auf Lifehacker.com und Ex-Google-Design-Mitarbeiter Tristan Harris, dessen Blog sehr lesenswert ist.
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