Neinsagen muss sein! Eine kleine Anekdote zum Einstieg: Seit vielen Jahren trainiere und coache ich die Methode Getting Things Done. Ich erinnere mich noch sehr genau an eine Seminar-Teilnehmerin, die mich einmal in Berlin in der Pause angesprochen hat:
„Tobias, was kann ich denn tun, damit ich besser Neinsagen kann? Mein Chef schickt mir ständig neue Aufgaben, und ich komme einfach nicht mehr nach!“
Inzwischen ist das Thema in das neue Seminarformat aufgenommen worden – und das ist sehr gut so. In jedem Seminar habe ich mehrere Teilnehmer:innen, die nicht gut darin sind, Nein zu sagen.
Warum Neinsagen wichtig ist!
Wenn wir nicht rund um die Uhr arbeiten wollen, sondern der Arbeitstag auch ein Ende haben soll, kann es manchmal unerlässlich sein, Nein zu sagen. Im obigen Beispiel hat die Teilnehmerin das erkannt, aber es ist für viele Menschen schwierig Nein zu sagen, besonders, wenn es sich um Menschen handelt, die ihnen wichtig sind. Crucial Conversations, eines der besten Bücher zum Thema Kommunikation, das ich kenne, empfiehlt, wie folgt mit dem Neinsagen umzugehen:
- man teilt seine gute Absicht („Ich würde ja gerne…“)
- man erklärt, warum es nicht geht („aber…“)
Wichtig beim Neinsagen ist es, authentisch zu sein und die wahren Gründe anzugeben, warum man nicht noch mehr Aufgaben annehmen kann. Das können im Firmenumfeld zum Beispiel sein:
- andere Aufgaben, die sonst nicht fristgerecht fertig werden.
- berufliche oder private Terminverpflichtungen, die z.B. bei Aufgaben am konkreten Tag nicht eingehalten werden können.
Eine gute Basis aus Getting Things Done, die hier helfen kann, ist die sogenannte Projekte-Liste. Auch hier habe ich eine Anekdote eines Coachees, die ich gerne teile: immer, wenn sein Chef zu meinem Coachee kam und ihm ein neues Thema delegieren bzw. zuweisen wollte, obwohl er schon mehr als genug zu tun hatte, sagte dieser:
„Lieber Chef, ich finde das ein super Thema, das würde ich gerne machen! Leider habe ich aber schon so viele Projekte übernommen, dass ich leider keine Kapazität mehr für das neue Projekt habe. Hier ist meine Projekteliste – welches Projekt soll ich abgeben, um das neue Projekt zu bearbeiten?“
Und, siehe da, der Chef nahm, so erzählte mir mein Coachee, das neue Thema meistens wieder mit, weil mein Coachee bereits an Themen arbeitete, die dem Chef wichtiger waren. Dank dem Neinsagen.
Nein sagen heißt auch, den Überblick zu haben!
Wenn die Führungskraft sieht, dass der Mitarbeiter einen Überblick über seine Aufgaben darüber hat, was man zu tun hat, ist das für die Führungskraft eine tolle Sache. Denn dann kann man sich sicher sein, dass entweder das richtige getan wird, oder, falls nicht, kann man korrigieren. Und keinen Führungskraft, die den Titel verdient, sollte die Illusion haben, dass die Kapazität der Mitarbeiter unbegrenzt ist – aber das ist ein anderes Thema. Wenn die Führungskraft das nicht versteht, hilft meistens (leider?) nur eine Sache: der interne oder externe Jobwechsel.


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